Praktikum bei Kivulini

In Tansania muss man sich auf jeden Fall darauf einstellen, dass das Praktikum ein wenig anders verläuft als in Deutschland bzw. Europa. Alles ist viel unorganisierter. An meinem ersten Tag wussten zwar alle, dass ich komme, aber niemand wusste etwas mit mir anzufangen. Ich sollte immer von 8 Uhr bis 17 Uhr anwesend sein. Allerdings heißt in Tansania um 8 Uhr anzufangen, um viertel nach da zu sein und um frühestens halb neun anzufangen. Selbst die Chefin war zumeist erst um 9.15 da.

Am Anfang wurde mir zunächst die komplette Einrichtung über 3 Stunden gezeigt und alles erklärt. Die Einrichtung Kivulini ist eine Frauenrechtsorganisation und setzt sich hauptsächlich für die Rechte von Frauen und Kindern ein und kämpft gegen häusliche Gewalt. Kivulini hat vier unterschiedliche Programme, von denen ich mir eins aussuchen durfte, in dem ich mitarbeiten möchten.

Die Programme sind 1. Capacity Building: Hier wird den Frauen und Kindern Hilfe zur Selbsthilfe gegeben und es werden Workshops mit ihnen und auch den Männern zum Thema Gewalt gemacht. Das 2. Programm ist Community Mobilization: Hier geht man in die Gemeinden und Dörfer und regt die Menschen dort an, über das Thema Gewalt nachzudenken und zu diskutieren. Hierbei werden ihnen zum Beispiel Bilder oder Videos gezeigt oder es wird verbal auf das Thema aufmerksam gemacht. Außerdem werden die Menschen zum Thema HIV/Aids aufgeklärt und informiert. Das 3. Programm ist Advocacy/Policy: Hier versucht die Organisation zum Beispiel mit der Regierung zu sprechen, um Gesetze zugunsten von Frauen und Kindern zu ändern. Das 4. Programm nennt sich Youth Engagement: Hier werden Jugendliche in und außerhalb von Schulen betreut und auf das Thema Gewalt aufmerksam gemacht. Außerdem werden auch Lehrer angesprochen und über das Thema aufgeklärt. Viele Mädchen dort werden in der Schule nämlich körperlich und sexuell misshandelt, wo drüber wegsehen oder gar nicht drüber gesprochen wird. Das soll durch dieses Programm geändert werden. Außerdem umfasst das Programm noch ein eigenes Projekt, das sich „Child Domestic Worker“ nennt. „Child Domestic Worker“ sind Kinder unter 18, die in Haushalten anderer Leute arbeiten. Dort müssen sie zum Beispiel Hausarbeiten erledigen, sich um die Kinder kümmern, Essen zubereiten und zum Teil sogar in Geschäfte ihrer Arbeitgeber arbeiten. Kivulini setzt sich für die Rechte dieser häuslichen Kinderarbeiter ein und versucht ihnen zu helfen auf eigenen Beinen zu stehen, indem sie ihnen Workshops anbieten, bei denen sie sich weiterbilden können.

Es hat zwar einige Zeit gedauert, aber letztendlich habe ich in diesem „Child Domestic Worker“ Projekt bei Kivulini mitgearbeitet. Ich habe hierbei direkt mit den häuslichen Kinderarbeitern gesprochen und mit ihnen Interviews geführt. Das war wirklich sehr interessant, da sie viel über ihre Vergangenheit erzählt haben, was zum Teil aber auch schockierend war. Denn zum Teil werden die häuslichen Kinderarbeiter nicht einmal bezahlt oder sogar von ihren Arbeitgebern misshandelt. Über diese Interviews sollte ich dann gemeinsam mit einer anderen Praktikantin Geschichten zu den „CDW“ schreiben, in denen wir ihren Lebenslauf und ihre Arbeitsverhältnisse darlegen und erklären, inwiefern Kivulini ihnen helfen konnte.

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