Zusammenfassung Tansania

Um zu verdeutlichen, wie groß die Umstellung ist, wenn man einen Aufenthalt in einem Land wie Tansania plant und auf was man sich schon im Vorfeld einstellen sollte, möchte ich hier nochmal die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Tansania darstellen.

Infrastruktur

Die Infrastruktur (besonders die Straßen) war insgesamt zwar besser als ich vorher vermutet hätte, aber trotzdem kann ich auch von einigen Negativbeispielen berichten.

Die Menschen leben in Häusern, die in Deutschland schon längst abgerissen worden wären, Kinder spielen und leben ohne Betreuung auf der Straße und kümmern sich um ihre kleinen Geschwister. Es gibt in den meisten Häusern kein warmes Wasser (wenn es überhaupt fließendes Wasser gibt) und jeden Tag über mehrere Stunden Stromausfall.

Die Straßen sind zum größten Teil nicht asphaltiert. Ein Beispiel: Bei unserem Ausflug nach Arusha und Moshi hatten wir uns entschieden mit dem Bus zu fahren, da dies die kostengünstigste Möglichkeit war, um den Kilimandjaro zu sehen. Beim Ticketkauf hatten wir uns für Plätze in der letzten Reihe entschieden, was jedoch ein fataler Fehler war – Das haben wir sofort festgestellt, als das erste Schlagloch kam und wir 10 cm von unseren Sitzplätzen in die Luft geschleudert wurden. Da die Straßen von Mwanza nach Arusha nicht besonders gut ausgebaut und größtenteils nicht mal asphaltiert waren, ging das ganze dann 12 Stunden so. Am Anfang war es ja noch ganz lustig, da es sich anfühlte wie Achterbahn fahren – Aber wer will schon 12 Stunden am Stück Achterbahn fahren?! Wir waren dann endlos froh als wir endlich in Arusha angekommen waren.

Dann gibt es in ganz Tansania Minibusse, die sich „dalla dallas“ nennen, wo sich 15 Leute auf 2 m² quetschen. Die erste Fahrt in die Stadt mit den „dalla dallas“ war also schon ein kleines Abenteuer, aber auch an diese Enge gewöhnt man sich nach einer gewissen Zeit.

Mentalität

In Tansania muss man sich darauf vorbereiten, dass man eine Attraktion ist, wenn man weiß ist. Kinder starren Weiße an, zeigen mit dem Finger auf sie und rufen laut „Wazungu“ (Weiße), weil sie zum Teil noch nie weiße Menschen gesehen haben. Zum Teil möchten sie einen auch anfassen, da sie der Überzeugung sind, dass es Glück bringt, einen Weißen anzufassen.

Die Menschen sind insgesamt aber auch viel entspannter, fröhlicher, hilfsbereiter und aufgeschlossener. Man wird von vielen Menschen angesprochen, gegrüßt und gefragt, wie es einem geht oder ob man Hilfe braucht. Allerdings sollte man teilweise vorsichtig sein, ob diese Hilfsbereitschaft ernst gemeint ist.

Arbeitseinstellung

Die Arbeitseinstellung ist komplett anders als in Deutschland. Ein Beispiel: Ich sollte bei meinem Praktikum mit auf eine Kampagne und den Stand aufbauen. Es sollte um 14 Uhr losgehen. Um 17 Uhr haben wir dann einen Tisch, eine Bank und das restliche Material von der Organisation organisiert und zum Auto getragen. Die Sachen werden morgen früh ins Auto geladen und zu dem Ort gebracht. Insgesamt habe ich bei dem Praktikum sehr viele Leerphasen gehabt, in denen es für mich einfach keine Arbeit gab, was für die Einheimischen aber ziemlich normal schien, da auch die Festangestellten teilweise erst nachmittags angefangen haben richtig zu arbeiten.

Im Gegensatz dazu arbeiten hier Kinder, unter zehn Jahren, da die Eltern alleine nicht genug verdienen oder die Kinder auf der Straße leben und sich ihren Lebensunterhalt eigenständig verdienen müssen.

Versorgung

Das Leben in Tansania spielt sich hauptsächlich auf den Straßen ab, so auch die täglichen Mahlzeiten. Es gibt keine Supermärkte, wie wir sie in Deutschland kennen, häufig stehen bzw. sitzen Frauen an der Straße und verkaufen Obst und Gemüse. Ausnahmen sind der Nono-Supermarkt und U-turn, wo man ein relativ vielfältiges Angebot an Lebensmitteln finden kann. U-turn bietet außerdem ein breites Spektrum an importierten Waren, die jedoch zum Teil sehr teuer sind.

Außerdem bekommt man zu jeder Tageszeit frisch zubereitetes Essen an Essensständen.

Essverhalten

In Tansania wird hauptsächlich mit den Händen gegessen. Wenn es Löffel gibt, ist das schon besonders. Gabeln und Messer werden kaum benutzt. Aber auch daran gewöhnt man sich recht schnell.

Insgesamt ist das Essen sehr fettig und nur darauf ausgelegt, dass man satt wird. Es wird zweimal am Tag warm gegessen – mittags und abends. Das Essen war aber wider meiner Erwartungen sehr lecker.

„Wilde Tiere“

Hunde und Katzen werden als wilde Tiere gesehen, die von den Menschen in Tansania verachtet und umgegangen werden. Sie hungern und sind krank. Auf den Straßen und in der Stadt laufen Kühe, Hühner, Ziegen, Hunde und Katzen frei durch die Gegend.
Andere gefährliche bzw. giftige wilde Tiere habe ich vergleichsweise wenig gesehen. Obwohl mir gesagt wurde, dass überall Schlangen versteckt sind, habe ich innerhalb meines insgesamt 6-wöchigen Aufenthaltes lediglich 3 Schlangen gesehen.

Fazit

Insgesamt habe ich aber meinen Aufenthalt in Tansania sehr genossen und viele neue Erfahrungen sammeln können. Ich denke ein solcher Aufenthalt in einer komplett anderen Kultur macht einen wesentlich reifer, selbstständiger und weltoffener.

Außerdem habe ich hier so viele Menschen gesehen die super arm, aber super glücklich sind. Ich denke wir in Deutschland sollten uns des Öfteren klar machen, dass wir es gar nicht so schlecht haben. Meine Zeit in Tansania hat mich auf jeden Fall gelehrt viele Dinge wie Häuser, Strom, fließendes Wasser usw. nicht für selbstverständlich zu nehmen. Zusätzlich sollte man sich mehr an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen und positiv und optimistisch sein.

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