Phnom Penh

Phnom Penh ist die Hauptstadt Kambodschas und liegt direkt am Mekong. Phnom Penh hat mir auf Anhieb schon mal deutlich besser gefallen als Bangkok. Es gibt mehr grün, die Stadt wirkt gepflegter und die Leute sind total freundlich. Außerdem ist Phnom Penh nicht so groß und überfüllt wie Bangkok. Die meisten Sehenswürdigkeiten liegen in der Innenstadt und man kann sie fußläufig erreichen.

So habe ich gestern eine ausgiebige Sightseeing-Tour zu Fuß gemacht – zum Königspalast mit der Silberpagode, zum Wat Phnom, zum Unabhängigkeitsdenkmal, zum Psar Thmei (central market) und einfach ein bisschen entlang des Mekongs. Ich muss sagen der Markt war für mich schon ein kleines Erlebnis. Hier wird wirklich alles verkauft- von Küchenutensilien, über Kosmetik, Klamotten, Elektronik bis hin zu toten und lebendigen Tieren. Manche Gänge musste ich leider meiden, da mir der Geruch zu extrem war.

Außerdem habe ich mir gestern eine Maniküre bei „Daughters of Cambodia“ gegönnt. „Daughters of Cambodia“ ist eine NGO, die junge Frauen ausbildet, die dem Menschenhandel zum Opfer gefallen sind. Diese Organisation betreibt ein Café, einen kleinen Laden sowie ein kleines „Spa“ mit Massagen und Pedi- und Maniküre. Da ich das gerne unterstützen wollte, habe mir für 6 $ die Nägel machen lassen und noch ein paar Souvenirs gekauft.

Abends habe ich dann eine Sunset-Bootstour auf dem Mekong gemacht. Das war auch ein total schönes Erlebnis. Wir konnten Fischerdörfer vom Boot aus beobachten und Kinder, die uns von dort aus freudig zugewunken haben. Es ist immer wieder krass zu sehen, wie die Menschen hier leben und mit wie wenig sie glücklich und zufrieden sind. Außerdem konnten wir einen total schönen Sonnenuntergang hinter der Skyline von Phnom Penh vom Fluss aus beobachten. Bilder von der Bootstour und auch von meinem Sightseeing Trip findet ihr unten.

Das Tuol Sleng Museum

Heute morgen habe ich dann noch das Tuol Sleng Museum besucht. Eigentlich lässt sich das, was ich dort gesehen habe gar nicht in Worten beschreiben.

Tuol Sleng, das vorher eine Schule war, wurde 1975 von den Roten Khmer eingenommen und als Sicherheitsgefängnis S-21 umfunktioniert. Es war das geheime Zentrum eines Netzwerkes von ca. 200 Gefängnissen dieser Art. Die genaue Anzahl ist unbekannt, da die Gefängnisse geheim und versteckt waren. Die Roten Khmer haben hier ihre Insassen gefoltert, zu Geständnissen gezwungen und letztendlich hingerichtet. Ziel der Roten Khmer war es, die Gesellschaft nach dem Krieg wieder auf einen Stand Null zu bringen, so dass alle dieselben Chancen haben. Dementsprechend wurden vor allem Intellektuelle, aber auch alle Einwanderer verhaftet. Im S-21 wurden 12.000-20.000 gefangen gehalten, wovon nur 12 bekanntlich überlebt haben.

Hingerichtet wurden die Gefangenen, nachdem sie ein Geständnis unterschrieben haben, auf den so genannten „Killing fields“ in Choeung Ek, ca. 15 km südlich von Phnom Penh, die ihr auch auf einem meiner Bilder sehen könnt. Hier wurden sie dann mit einer Eisenstange erschlagen und um sicher zu gehen, dass sie auch wirklich tot sind, wurde ihnen die Kehle aufgeschlitzt. Die Überreste der toten Menschen kann man heute noch im Museum begutachten. Pistolen wurden für die Hinrichtung nicht benutzt, um keine teure Munition zu verschwenden und um nicht zu viel Lärm zu machen. Außerdem war es den Insassen untersagt zu schreien, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Schrien sie doch, wurden sie nur noch mehr gefoltert.

Den Gefängniswärtern war es nicht erlaubt, die Häftlinge zu töten. Sie sollten sie nur foltern, um sie zu einem Geständnis zwingen. Es gab sogar extra Khmer Ärzte, die nur eine 4-monatige Ausbildung absolvierten (richtige Ärzte gab es ja nicht mehr) und dafür zuständig waren, die Häftlinge nach Folterungen wieder aufzupäppeln, damit sie noch nicht sterben. Manchmal starben trotzdem Häftlinge durch die harten Foltermethoden.

Die Roten Khmer dokumentierten ihre ganzen Gräueltaten mit zahlreichen Akten und Fotos der Insassen und Folterungen, die man heute im Museum begutachten kann. Man kann sich nicht vorstellen, wie grausam die Fotos sind, wenn man sie nicht selber gesehen hat. Fotos von den Fotos zu machen war verboten und wollte ich ehrlich gesagt auch gar nicht. Für mich ist es auch ehrlich gesagt kaum vorstellbar, dass Menschen zu so etwas fähig sind. Ich habe mir für das Museum extra viel Zeit genommen und mich durch einen Audio Guide durch das Museum führen lassen. Zwischendurch musste ich mich mehrmals hinsetzen und die Gebäude verlassen, weil ich es so schrecklich fand. Der Audio Guide hat die Haft im S-21 sehr realitätsnah dargestellt mit Berichten von ehemaligen Häftlingen, Angehörigen und auch Roten Khmer, so dass man sich das Leben im S-21 bildlich vorstellen konnte, was mich noch betroffener gemacht hat.

Ich wusste zwar, dass etwas in der Art in Kambodscha passiert ist. Trotzdem ist es nochmal bewegender, die ganzen Räumlichkeiten, die zum großen Teil noch Original so erhalten sind, zu sehen. Die Gebäude und Zellen könnt ihr auf meinen Fotos auch sehen. Scheint als hätte Kambodscha eine ähnliche Vergangenheit wie wir und das hat mich noch mehr schockiert. Dass viele Jahre später sich noch einmal ein Genozid in solchem Ausmaß wiederholt. Das macht einem klar zu was Menschen fähig sind und wie leicht manipulierbar sie sind. Man kann nur an die Menschlichkeit appellieren und hoffen, dass sich so etwas nicht nochmal irgendwo anders wiederholt.

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